Fernando Bryce

Paradoxurus adustus / Auf frischer Tat

Fernando Bryce nähert sich dem Museum für Naturkunde aus kulturhistorischer und globalpolitischer Perspektive. Sein zweiteiliges Werk widmet sich musealen Ordnungs- und Klassifikationssystemen sowie Bildwelten der naturkundlichen Forschung im frühen 20. Jahrhundert.

Bei seinen Recherchen im Museum stieß Bryce auf eine Pappschachtel mit Etiketten, die einst der Beschriftung von Objekten, Schubladen und Schränken in der Säugetiersammlung dienten. Teilweise unvollständig, versehen mit Gattungs- oder Artnamen, Angaben zu Sammlern oder geographischer Herkunft entfalten diese funktionslos gewordenen Überbleibsel eine ganz eigene Poesie. Im Zusammenspiel mit Inventarlisten, einem weiteren Medium zur Erfassung von Sammlungsobjekten, lässt Bryce aus diesen bisher wenig beachteten Materialien eine großformatige Serie aus Tuschezeichnungen und Siebdrucken entstehen. „Paradoxurus adustus“ ist nicht nur eine Hommage an scheinbar unscheinbare Museumsdinge, sondern ermöglicht es auch, sich über Bilder einer naturkundlichen Erschließung und Aneignung der Welt zu nähern.

Seine Methode, historische Texte und Bilder in Tuschezeichnungen zu überführen, zu vergrößern und neu zu arrangieren, wendet Bryce auch bei seinem zweiten Bilderzyklus „Auf frischer Tat“ an. Dabei setzt er sich mit der Repräsentation naturkundlicher Forschung in Medien des frühen 20. Jahrhunderts auseinander. Als Ausgangsmaterial dienen ihm Zeitungsartikel, Reiseberichte, Forscherporträts oder populärwissenschaftliche Zeitschriften, die Bryce im Museumsarchiv und in Bibliotheken recherchiert hat. Indem er Einzelbilder aus den historischen Materialien auswählt und zueinander in Beziehung setzt, schafft Bryce neue Sinnzusammenhänge und lässt die politische und kulturelle Dimension naturkundlicher Forschung sichtbar werden.

Fernando Bryce ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler aus Peru. Seine Bilderserien thematisieren die Repräsentation historischer Ereignisse in den Medien des 20. Jahrhunderts. Bryce lebt und arbeitet in New York und Berlin. Kuratorische Begleitung: Anita Hermannstädter

Fernando Bryce
© Museum für Naturkunde / Carola Radke