Assaf Gruber

Eine klare Sache (The Conspicuous Parts)

Assaf Grubers künstlerische Praxis widmet sich immer wieder dem Zusammenhang zwischen den Weltanschauungen von Individuen und ihren persönlichen Biografien, wie auch der Art und Weise, in der beide private und öffentliche Räume und Beziehungen prägen. Dieser Fokus bildet auch den Hintergrund für die Filminstallation im Museum für Naturkunde.

Daphne und Catherine arbeiten im Museum. Die eine ist dort seit kurzem als Tierpräparatorin angestellt. Die andere, eine britische Schriftstellerin, recherchiert im Museumsarchiv für ihr neues Buch. Sie sucht Fakten über eine Expedition zu kubanischen Korallenriffen in der DDR der späten 1960er Jahre, die ihr dubios anmutet. Als sie zufällig aufeinander treffen, beginnen die Frauen eine eher ungewöhnliche Kommunikation.

Grubers Film befragt die Art, in der Institutionen wissenschaftliche und historische Fakten – oder Annahmen – darstellen und vermitteln. Die Geschichten der Protagonistinnen verdeutlichen, wie sehr diese Darstellung durch das Begehren und die Begehrlichkeiten einzelner Individuen geprägt werden: von den möglicherweise kolonialen Ambitionen von Forschern in der Karibik, zu der Leidenschaft eines Museumsdirektors zu Zeiten des Ersten Weltkriegs und den darauf aufbauenden Fantasien einer jungen Präparatorin der Gegenwart.

Im Laufe des Films entgleitet uns zunehmend die Möglichkeit, zwischen wissenschaftlichem Tatbestand und künstlerischer Freiheit zu unterscheiden und es wächst unsere Unsicherheit, in welches dieser beiden Felder die verschiedenen Erzählungen des Films gehören. Dadurch lenkt Gruber unser Augenmerk auf unsere kaum zu bremsende Entschlossenheit, Fakten von Annahmen und Wissen von Erinnerungen zu trennen, um beide in der Folge verschieden zu handhaben – oder gar nicht zu handhaben.

 

Verunsicherung ist für die Filme und Skulpturen von Assaf Gruber (geb. 1980 in Jerusalem) typisch. In ihrem Zentrum steht die erzählerische Kraft von Objekten und Räumen. Doch so sehr sie diese Kraft ausstrahlen und Erzählungen andeuten, so wenig lassen sie uns eindeutige Geschichten erfassen.

Der Film entstand in Co-Produktion mit dem Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Ujazdowski Castle, Warschau und mit Unterstützung des Ostrovsky Family Fund.

 

Künstler: Assaf Gruber
Kuratorin: Dorothée Brill
Hauptrollen: Caroline Clifford und Tina Pfurr
Produktion: Barbara Simon, Talking Projects
Kamera: Jutta Pohlmann
Kamerassistenz: Judith Lentze

 

 

Assaf Gruber
© Museum für Naturkunde / Tobias Buddensieg