A K Dolven

echo echo

A K Dolvens akustische Intervention besteht aus zwei Teilen, die sich in den Medien Wasser und Luft ereignen und in zwei verschiedenen Räumen stattfinden. Die Arbeiten enthalten unterschiedliche Aspekte ihrer künstlerischen Praxis: Dolvens Fokus auf die Natur, auf den Menschen, auf eine Sensibilisierung der Wahrnehmung der Welt und ihrer politischen und kulturellen Gegebenheiten, auf die Einbindung von Menschen und ihrer Lebenserfahrung in ihr Werk. Dolven verdichtet Erfahrung zu kompakten künstlerischen Aussagen.

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11 märz 2015

Dolven nutzte das Tierstimmenarchiv bewusst nicht als Materialsammlung: vielmehr intensivierte sie ihre seit 2011 laufende Recherche über die Töne des arktischen Winterkabeljaus und schenkte sie dem Museum als Material. Hierzu initiierte sie eine Tonexpedition ins Nordpolarmeer und machte in der Nähe ihres norwegischen Wohnsitzes (Austnesfjord, 68.2° N) gemeinsam mit Karl-Heinz Frommolt, Kustos der Sammlung, Unterwasseraufnahmen von Paarungsgeräuschen des arktischen Winterkabeljaus (Skrei) in seiner natürlichen Umgebung. Entstanden ist eine tonale Entdeckungsreise: das kurze, schlagartige Brummen der Fische ist umhüllt von der dichten Schallumgebung unter Wasser: von Motoren, Schiffsschrauben, Angeln und Wasser. In der Nasssammlung installiert, unterlegt dieser lebendige Originalton die in Flüssigkeit gelagerten Exponate früherer Forschungsreisen und verändert unsere Perspektive darauf.

Das Werk (ca. 8 Min.) ist alle 20 Minuten ab voller Stunde in der Nass-Sammlung zu hören.

Produktion: A K Dolven, Karl-Heinz Frommolt

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20 april 2015

A K Dolven verbrachte mehrere Tage im nicht öffentlichen Vogelsaal des Museums, unter den Exponaten aus drei Jahrhunderten Sammlungsgeschichte. Die Ausstrahlung dieser großen Zahl verstummter Vögel in historischen Glasschränken vermischte sich mit den Stimmen und Erfahrungen der Menschen, die hier  arbeiten. Dolven entwickelte dieses Erlebnis zu einem vielfacettigen, mehrstimmigen Prosagedicht, in das auch die Narration des historischen Vogelsaals einfließt, der fast unverändert zwei Weltkriege und unterschiedliche politische Systeme überlebte. Das Sound Poem wird als Collage getragen von zehn Stimmen, zehn Altersgruppen, zehn Geschichten. Es oszilliert zwischen Mensch- und Vogelperspektive und erzählt in sich überlagernden Raum-, Zeit und Wirklichkeitsebenen von Übergangsmomenten, Migration, Entwurzelung, Unsicherheit. Vom sich-neu-erfinden im Jetzt.

Sound Performance, nur mit Führung (max. 15 Pers.): Di-Fr: 15:00/15:45 Uhr, Sa/So: 13:00/14:00/15:00 Uhr. Anmeldung und Treffpunkt an der Museumskasse.

Kuratorin für Klangkunst: Gaby Hartel

Das Werk wurde in Kooperation mit Deutschlandradio Kultur produziert:

Stimmen: Jule Böwe, Patrick Güldenberg, Irm Hermann, Janusz Kocaj, Cristin König, Bettina Kurth, Shaun Lawton, Klaus Manchen, Friedhelm Ptok, Tatja Seibt
Regie: A K Dolven, Gaby Hartel
Assistenz: Anna Seibt, Ton und Technik: Hermann Leppich, Susanne Beyer

 

A K Dolven
© A K Dolven

Kabeljau -
Kunst und Kabelsalat

Fischgesänge aus den Tiefen des Fjordes

 

Bei A K Dolvens Recherchen für eine Klanginstallation zu den Fischen in der Nass-Sammlung des Museums, schlug sie vor, nicht nur mit Tonkonserven zu arbeiten, sondern Geräusche beim Laichgeschehen des Kabeljaus vor Ort einzufangen. Folglich haben wir eine kleine gemeinsame Expedition zu den Lofoten, der Heimat von A K Dolven, organisiert.

Für alle Beteiligten war dies Neuland – angefangen von den technischen Herausforderungen, Lautaufnahmen im freien Meer in 50m Tiefe zu erstellen, bis hin zur ungewöhnlichen Geräuschkulisse. Trotz mehrmaligem Verheddern der Hydrofonkabel ist es uns doch gelungen, gute Aufnahmen des Grunzens und Klickens der Fische zu erstellen. Damit wurde auch das Tierstimmenarchiv um Originalaufnahmen von Fischstimmen bereichert, die ab Eröffnung der Intervention am 27. August auch online in unserer Datenbank zu hören sein werden.

Karl-Heinz Frommolt ist Leiter des Tierstimmenarchivs im Museum für Naturkunde Berlin

Kabeljau - </br> Kunst und Kabelsalat
© Museum für Naturkunde / Anita Hermannstädter