Kunst/Natur-Talk zur Mikrooper
28.03.2018

Wundernetz | Rete Mirabile

Die Komponistin Ulrike Haage im Gespräch mit der Kuratorin Gaby Hartel und Peter Bartsch, Kustos der Fischssammlung. Moderation: Anita Hermannstädter, Projektleiterin Kunst/Natur.

Auf zahlreichen Besuchen erkundete die Komponistin Ulrike Haage den Ort des Museums für Naturkunde Berlin, seine Atmosphäre und die Klangbedingungen. Besonders reizte sie die unwirklich Atmosphäre und Akustik der Nass-Sammlung des Hauses. Im Gespräch mit Peter Bartsch, dem Kustos der Fischsammlung, machte sie sich mit dieser speziellen Forschungssammlung vertraut und experimentierte mit Aufbewahrungsgläsern als Klangkörpern. Daraus entstanden ist ein poetisches Singspiel mit dem Titel Wundernetz | Rete Mirabile, welches am 12. Februar 2018 im Rahmen der vierten Runde künstlerischer Interventionen des Hauses Uraufführung im Museum für Naturkunde Berlin feierte.

Inszeniert als moderne Wanderbühne auf einer Reise durch Kulturgeschichte und Kunststile antwortete die Instrumentierung auf Exponate und Präsentationsmobiliar der drei Räume, durch die die Prozession zieht: Glas, Metall, Holz, Fell und Leder.

Der britische Dramatiker Mark Ravenhill schrieb das Libretto zur Mikrooper. Der Text spielt zuweilen mit Auszügen aus der Abhandlung Vampyroteuthis infernalis des Literaturtheoretikers Vilém Flusser über das Welterleben des Vampirtintenfisches, welches er als eines dem menschlichen [Er]Leben radikal entgegengesetztes präsentiert. Damit wählte er ein Tier, das die europäische Geistesgeschichte seit Jahrtausenden zu Gedankenexperimenten beflügelt und spätestens seit der Romantik Stoff für Science Fiction, Dichtung und fabulierende Philosophie ist. Bei Ravenhill wird der Oktopus zur Sinnfigur. Das 1903 beschriebene Typusexemplar dieses Tieres befindet sich im Museum für Naturkunde Berlin.

 

Beginn: 19:30 Uhr, Einlass: 19:00 Uhr.
Eintritt frei.
Anmeldung erforderlich unter: kunst@mfn-berlin.de

Kunst/Natur-Talk zur Mikrooper <br />
28.03.2018
Die Nass-Sammlung © Museum für Naturkunde / Carola Radke