Bildende Kunst

Formen der Natur: bewahrt, betrachtet, neu belebt 

Das Museum für Naturkunde Berlin verfügt über eine mehr als 200-jährige Geschichte und einen Bestand von etwa 30 Millionen naturkundlichen Objekten. Die Ausstellungs- und Forschungsarbeit findet seit jeher in vielschichtigen Kontexten statt, die durch diplomatische, politische Beziehungen und internationale wissenschaftliche Netzwerke beeinflusst werden. Die Sammlungen – über die Jahre zusammengetragen, wieder aufgelöst und neu zusammengestellt – sind Zeitzeugen einer vielschichtigen Geschichte, die den deutschen Kolonialismus in Afrika, zwei Weltkriege, die Zeit des Nationalsozialismus und der DDR umfasst, bis hin zur Wiedervereiningung Deutschlands. Diese bewegte Vergangenheit hat in den Sammlungen des Museums, in der Forschung und den Biografien einzelner Mitarbeiter ihre Spuren hinterlassen. Die Architektur des Museumsgebäudes selbst war ursprünglich von der Idee geleitet, Wissenschaft transparent und zugänglich zu gestalten.

Heute, im digitalen Nuklearzeitalter, erleben wir eine Phase des beschleunigten Artensterbens, das vom Menschen verursacht wird. Naturkundemuseen sind Zeugen unserer sich wandelnden Umwelt: Zu den Beständen des Berliner Museums zählen so unterschiedliche Objekte wie das radioaktive Mineral Uraninit (Pechblende) oder das Axolotl, ein vom Aussterben bedrohter Lurch. Damit hütet es einen einzigartigen Schatz an ehemals belebten (Tiere und Pflanzen) wie unbelebten (z.B. Mineralien) Materialien in einem Archiv der Zeit und in neuen Wissensräumen.

Der kuratorische Zugang erkundet Fragen nach Autorenschaft und die Entwicklung neuer Methoden des Austauschs. Die Künstlerinnen werden sich mit den vielschichtigen Geschichten, Geografien und Wissensräumen auseinandersetzen, die sich im Inneren des Museums verbergen. Möglich ist, dass ihre Suche neue Begegnungsräume für den Austausch mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren eröffnet, um den Prozess und die Herstellung biodiverser Tatsachen transparent werden zu lassen.

Bergit Arends ist Kuratorin für Bildende Kunst. Sie erforscht die Interferenzen von Kunst und Wissenschaft.

Originalprobe zur Entdeckung des Elements Uran

Foto: Uraninit © Hwa Ja Götz/ MfN